Biografische Eckdaten

Franz Elmiger (1882-1934) wuchs in einer Bauernfamilie in Ermensee auf. Diese selbstverständliche Identität seiner bäuerlichen Herkunft gibt der Maler nie auf. Weder als Schüler in Luzern, noch bei Hans Bachmann in Zürich und erst recht nicht in München, wo er die Akademie besucht.

Das Seetal, das bäuerliche Dorf, das Elternhaus, welches auch sein Atelier birgt, sind sein Arbeitsplatz und bleiben zugleich sein dauernder menschlicher und künstlerischer Bezugspunkt.

Franz Elmiger im Alter von 35 Jahren

Seine Familie

Familienfoto: Die Familie Elmiger «Richters», Ermensee.
Links des Tischchens sitzend, Mutter Anna Elmiger-Winiger mit dem jüngsten Töchterchen Anna, späterer Modistin. Rechts Vater Josef EImiger-Winiger, Landwirt und Bezirksgerichtspräsident.
Von links nach rechts: Kunstmaler Franz Elmiger; Anton, Bauer; Albert, Lehrer; Marie, Näherin; Josef, Ingenieur; Max, späterer Kaufmann; Josefa, genannt «Finy», die den Haushalt besorgte.

Künstlerischer Werdegang

Geboren am 17. September 1882

in Ermensee, widmete er sein gesamtes Leben der Kunst.

1897 – 1899

Lehrerseminar in Hitzkirch.

1899 – 1903
Kunstgewerbeschulen Luzern und Zürich.
1905 – 1912
München, Königlich Bayerische Akademie (Professoren: Heinrich von Zügel, Angelo Jank).
1907 u. 1918
Kunststipendien der Schweizer Eidgenossenschaft.
1915

Jurymitglied der Turnusausstellung des Schweizerischen Kunstvereins.

1903 – 1923
Vertreten an allen Turnusausstellungen des Schweizerischen Kunstvereins.
1908 – 1925
An allen acht Nationalen Kunstausstellungen vertreten.
1908 – 1934
Gruppenausstellungen in München, Brüssel, Zürich, Basel, Luzern.
1920 – 1934
Restaurationsarbeiten in der Kapelle Adligenswil, der Jesuitenkirche und an Gemälden der Kunstgesellschaft.
1934

am 27. September, gestorben in Luzern.

Studien- und Künstlerkollegen

Durch die regelmässige Teilnahme an den sogenannten Turnusausstellungen der Schweizer Künstler – Elmiger war zeitweise auch Mitglied der Jury – ergaben sich vielfältige Kontakte zu anderen Künstlern. Er kannte Hodler, Valloton, Max Buri und Cuno Amiet – um nur die wichtigsten zu nennen. Der selber wortkarge Künstler hat über diese Beziehungen weder mündliche, noch schriftliche Äusserungen hinterlassen.

Die Klasse des Professors Hans Bachmann (vorne) fotografiert vermutlich 1902/03, während des Figurenmalens an der Kunstgewerbeschule Zürich. Rechts neben dem Modell, Ernst A. Escher, weiter rechts Raffaella de Grada.

Links des Modells, in der Mitte, Frank Behrens, links aussen, mit Bart, Otto Lüssi. Die Information erhielten wir am 14. Februar 1958 verdankenswerterweise von Rudolf Mülli, Kunstmaler Zürich. Quelle: Buch Franz Elmiger

Die Klasse des Professors Hans Bachmann. Franz Elmiger steht rechts neben dem Modell und wird von Ernst A. Escher halb verdeckt

Ausstellungen

1903 bis 1923
Turnus-Ausstellungen des Schweizerischen Kunstvereins in Aarau, Basel, Luzern, …, Zürich

Gezeigt wurden folgende Gemälde von Franz Elmiger.

  • 1903 Das Küchenmädchen
  • 1904 Krankenpflege, Im Rubenkeller, Winterstille
  • 1905 Frühlingsmorgen, Wintermorgen, Sommertag
  • 1906 In der Abendsonne, Wintersonne, Vorfrühling, Föhnmorgen, Sommernacht, Märzenschnee
  • 1907 Letzte Furche, In der Abendsonne, Am Bach, Wintersonne, Vorfrühling, Sommernacht
  • 1908 Herbstweide, Schimmelgespann, Ziegenheim
  • 1909 Pferdemarkt
  • 1911 Dämmerung, Tannenschatten
  • 1913 Arbeitspferde, Rast
  • 1915 Mittagsschwüle, Am Teetisch, Grauer Tag
  • 1916 Zur Arbeit, Sommertag
  • 1918 Pferde
  • 1923 Hallwylersee

Es stellten ebenso aus: Amiet Cuno, Bachmann Hans, Breitenstein Ernst, Emmenegger Hans, Hodel Ernst, Hodler Ferdinand, Kaufmann T.C., Muheim J., u.v.m.

Link: Schweizer Kunstverein: Die «Turnus»-Ausstellungen 1842-1961

Im_Rubenkeller
13.01. bis 15.02.1907
Schweizerische Sezessionsausstellung im Kunstmuseum Bern

Gezeigt wurden folgende Gemälde von Franz Elmiger.

  • In der Abendsonne
  • Vorfrühling
  • Sommernacht
  • Wintersonne (I) (siehe Bild); Im Jahre 1912 wurde dieses Gemälde für CHF500.- an den Bund verkauft

Es stellten ebenso aus: Bachmann Hans, Behrens P. Biel, Danner Jean, de Grada Raffaele, Kaufmann J.C., Hodel Emil, Muheim Jost, Renggli Eduard, Spreng Rudolf

wintersonne_1912
20.01 bis 13.02.1935
Kunstmuseum Luzern, Gedächtnisausstellung

152 Gemälde und Ölstudien aus öffentlichem und privatem Besitz und aus dem Nachlass.

Auszug:

  1. Ochsengespann mit aargauischem
    Schaubhaus, 1918
  2. Auf dem Acker, 1910
  3. Sonnenbad
  4. Sandfuhre
  5. Hallwilersee mit Reben, 1916
  6. Pilatus
  7. Europa
  8. Kuhgespann im Winter
  9. Hahnen (Engelberg)
  10. Auf der Heubühne, 1908
  11. Stier
  12. Früher Schnee, 1917
  13. Pferdeschwemme
11206 Selbstportrait 1902 39x57_KBES
April bis Juli 1951
Schloss Heidegg

Insgesamt wurden 43 Gemälde aus privaten Sammlungen ausgestellt:

Auszug:

  1. Speicher im Winter
  2. Kartoffelkarren
  3. Schloss Heidegg
  4. Hühner
  5. Ziegen
  6. Tischgebet
  7. Scheune und Mühle in Ermensee im Winter
  8. Aehrenaufleserin
  9. Toni Elmiger im Rubenkeller
  10. Znünizyt
  11. Haus in Hasleberg
  12. Küche mit «Finy» am Herd
Franz-Elmiger-Schloss-Heidegg-am-unteren-Baldeggersee-Studie-20x15_1
14.11. bis 09.12.1959
Gedenkausstellung zum 25. Todestag des Künstlers in Hochdorf und Beromünster

Insgesamt wurden 56 Gemälde aus privaten Sammlungen ausgestellt:

Auszug:

  1. Im Rübenkeller
  2. Auf dem Rübenacker (siehe Bild)
  3. Tischgebet
  4. Wintersonne
  5. Die Genesende
  6. Sandfuhre
  7. Herbstweide
  8. Lichterschwemmen in Ermensee
  9. Ackerpferde in der Abendsonne
  10. Am Teetisch
  11. Znünizyt
  12. Pferdeschwemme
  13. Die Habsburg
  14. Kühe unter Eichen
  15. Wäsche in der Hausmatte
  16. Mittagsschwüle
10030_40_Auf-dem-Rubenacker_OaLaSp_1903_51x31
23.03 bis 07.04.1974
Gemäldeausstellung zum 40. Todestag des Künstlers in Littau

Insgesamt wurden 68 Zeichnungen und Gemälde aus Museen und Privatbesitz ausgestellt.

pferd-im-hof_1913
17.10 bis 01.11.1982
Gedenkausstellung zum 100. Geburtstag in der Aula der Kantonsschule Hochdorf

Insgesamt wurden 107 Zeichnungen und Gemälde aus privaten Sammlungen, aus Museen und öffentlichem Besitz ausgestellt.

Auszug:

  1. Beim Tischgebet
  2. Intragna
  3. Schneeschmelze auf Hasliberg
  4. Im Gsteig
  5. Herbstweide
  6. Pferde im Hof
  7. Franz Elmiger, Selbstbildnis
  8. Sinnender Bauer
dreigespann_am_pflug-1
April bis Oktober 2005
Sonderausstellung «Kinderaugenblicke» auf Schloss Heidegg.

Im gesamten Schloss wurden 120 Porträts von Kindern aus der Innerschweiz ausgestellt, die vier Jahrhunderte umfassten.

10059_Albert-Neffe-des-Kunst_OaLaKa_1922_23.5x19
24.02.2018 bis 06.01.2019
Karneval der Tiere. Tierbilder aus der Sammlung des Kunstmuseums Luzern und privatem Besitz

Das Kunstmuseum Luzern zeigte zahlreiche Werke, die unsere tierischen Verwandten darstellen. Die Ausstellung widmete sich dem oft innigen, aber nicht immer einfachen Verhältnis von Mensch und Tier.

Bild: Sandfuhr am Altrhein, 1916

kuratiert von Heinz Stahlhut

10054_200_Sandfuhre am Altrhein_Mappe_KBES

Geschichte

Elmiger gilt als Tiermaler. Man hat diese Seite seines Schaffens schon zu Lebzeiten intensiver wahrgenommen, als die frühen Genrebilder und die späteren zahlreichen und bedeutenden Landschaften. Das mag mit der spezifischen Umgebung zusammenhängen, in der Elmiger gearbeitet hat, dem damalige Bauerndorf Ermensee und Luzern als Landwirtschaftskanton.

Franz Elmiger arbeitete während der Münchner Jahre hauptsächlich bei Heinrich von Zügel (22.10.1850 – 30.01.1941), einem Spezialisten für teils opulente Darstellungen heimischer Tiere. Zügel studierte mit seinen Studenten in einem eigens dafür eingerichteten Atelier nach dem lebenden Modell Rinder und Pferde. Viele Bilder, die vermutlich um 1908 entstanden sind, verdeutlichen die Zügelsche Schulung.

In den späteren Bildern Elmigers gewinnt die Umgebung, die Landschaft in seinen Tierbildern an Gewicht. Auch zeigen sich deutliche Abstraktionstendenzen, welche zu einer immer flächiger wirkenden Bildanlage führt.

Heinrich von Zügels Meisterklasse in Wörth am Altrhein bei Karlsruhe